Zeitschrift forum geschichtskultur ruhr

Heft 1/26
„Kunst im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets. Gestaltung und Erinnerung“


Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem Sommerbeginn 2026 rückt die Manifesta Ruhr 16 das Ruhrgebiet in das Zentrum internationaler künstlerischer, zivilgesellschaftlicher und architektonischer Diskurse. Da der Regionalverband initiierender Partner dieses Großereignisses ist, erscheint der Text des Manifesta-Teams als Mitteilung der Route Industriekultur des RVR. Er vermittelt, worauf wir gespannt sein dürfen.

Die Manifesta bot den Anlass, uns in diesem Heft mit dem Thema Kunst im öffentlichen Raum zu beschäftigen, mit Arbeiten von Künstler*innen also, die uns im Alltag meist beiläufig, weil unbeabsichtigt begegnen. Öffentliche Kunst unterscheidet sich von musealen Werken durch ihre ungeschützte Interaktion mit dem Stadtraum, so Ferdinand Ullrich. Sie können zu identitätsstiftenden Orten werden, jedoch auch zu Orten erinnerungskultureller Dissonanzen. Ergänzend hierzu betrachtet Sabine Kampmann künstlerische Interventionen als „Erinnerungshelfer“. Diese (temporäre) „Erinnerungskunst“ fungiert als Katalysator für Stadtgesellschaften, sich über gemeinsame Erinnerungsziele diskursiv zu verständigen.

Martin Seidel zeigt die Genese des Programms „Kunst am Bau“ auf, die eigentlich „Kunst wegen Bau“ heißen müsste, und sehr unscheinbar und gelegentlich nur hör- oder riechbar sein kann. Eine spannende Wiederbegegnung mit Werner Ruhnau und Max Imdahl, ein Kennenlernen der Arbeiten von Johannes Wald, Susanne Stähli, Ayşe Erkmen und anderen. Einen städtebaulichen Fokus setzt Karina A. Sosnowski mit der Duisburger Brunnenmeile, deren Ursprung eng mit dem Wiederaufbau der Nachkriegszeit verknüpft ist. Wie solches Erbe durchoreographische Kooperationen revitalisiert werden kann, dokumentiert Lea Schleiffenbaum.

Dass Kunst als integraler Baustein moderner Stadtentwicklung heute spezialisierte Ressorts benötigt, zeigt Jacques Heinrich Toussaint am Beispiel Dortmunds Vorreiterrolle im Management historisch gewachsener Kunstbestände im öffentlichen Raum.

Flankiert wird der Schwerpunkt durch vier Beiträge: Ralph Eberhard Brachthäuser und Matthias Kordes beleuchten die mediale Inszenierung des Hindenburg-Besuchs 1925 und Sandra Hanke betrachtet das Werk von Almuth Lütkenhaus als „Präsenz des Weiblichen“ im Hammer Stadtraum. Gleich zwei Autor*innen beleuchten eine Industriekultur, die weit über die reine Denkmalpflege hinausgeht: Während Julia Ackermann das Strategiepapier des BIKD vorstellt, fordert Joseph Hoppe neue Allianzen zwischen Wissenschaft und Finanzwesen. Hoppe sieht die dafür erforderliche Kompetenz zum Beispiel in der Person Heinrich Theodor Grütters verkörpert, den Dieter Nellen in diesem Heft würdigt. Auch diese Zeitschrift hat dem Chefstrategen der regionalen Geschichtskultur und ehemaligen Leiter des Ruhr Museums Theo Grütter viel zu verdanken. Dem Forum nahe stand auch der frühere Gelsenkirchener Stadtplaner Lutz Heidemann,  an den Wolfram Schneider erinnert.

Unsere Ausstellungshinweise, Rezensionen und Annotationen füllen über 20 Seiten. Der Sommer darf also ein paar bedeckte Tage mit sich bringen, sodass wir Zeit für Lektüre und Museumsbesuche finden. Ansonsten heißt es: Rausgehen und flanierend die zahlreiche Kunst im öffentlichen Raum entdecken.

Halten Sie die Augen offen und bleiben Sie aufmerksam!
Ihre
Susanne Abeck

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