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Vortrag
Vortrag und Täter

Donnerstag, 23. April 2026, 18:00 Uhr

Vortrag und Diskussion: *Täter, Helfer, Zuschauer – und die Entsorgung
der NS-Zeit*
Referent: Helmut Ortner

Deutschland in den Nachkriegsjahren: Ein „entnazifiziertes“ Volk mühte
sich, das zu vergessen, was es verschwieg: seine Bereitschaft zur
Teilnahme an einem System der Barbarei. Im kollektiven Verdrängen und
Vergessen verlor sich der Schrecken und die Einzigartigkeit, den der
Zivilisationsbruch des Holocaust und die Vernichtungskriege bedeuteten.
Der nationalsozialistische Wahn wurde zur austauschbaren Metapher des
Bösen, persönliche Schuld wurde relativiert. So verschwanden all die
Gleichgültigen, Mitmacher und Helfer aus dem geschichtlichen Blickfeld –
und damit auch aus der Mit-Haftung und Mit-Verantwortung an einem
verbrecherischen Herrschaftssystem. Ein Volk auf der Flucht vor seiner
eigenen Vergangenheit.

Helmut Ortners Essays und Reportagen sind ein Plädoyer gegen jede
Verharmlosung und Relativierung der NS-Vergangenheit. Denn es gibt eine
Verpflichtung: die des Erinnerns. In einer Zeit, in der rechte
Populisten und die AfD die Erinnerungskultur beenden möchten, wendet
sich Helmut Ortner gegen eine Entsorgung der NS-Zeit. Es geht um die
Gegenwart der Vergangenheit, denn die nationalsozialistische
Vergangenheit verjährt nicht.

Helmut Ortner schreibt für zahlreiche Zeitungen und Magazine, u.a. für
die Frankfurter Rundschau, Cicero, Focus und The European. Zuletzt
erschien von ihm: Ohne Gnade – Eine Geschichte der Todesstrafe (2020),
Das klerikale Kartell. Warum die Trennung von Staat und Kirche
überfällig ist sowie Heimatkunde. Falsche Wahrheiten. Richtige Lügen
(beide 2024). Seine Bücher wurden bislang in 14 Sprachen übersetzt.
Helmut Ortner ist Mitglied des PEN Berlin.

*Veranstaltungsort*
Fritz Bauer Forum (Großer Saal)
Feldmark 107 | 44803 Bochum