Mailingliste
Vortrag
„Moralische Wiedergutmachung“ und die Pflicht zur Erinnerung
**„Moralische Wiedergutmachung“ und die Pflicht zur Erinnerung
*Vortrag von Ingrid Wölk
Ob durch die – insgesamt unzureichende – Entschädigung der jüdischen
Opfer des Nationalsozialismus irgendetwas „wieder gut gemacht“ werden
konnte, war Thema des Vortrags im Gedenk- und Erinnerungsort Nordbahnhof
am 13. Januar.
Was aber verbirgt sich hinter „moralischer Wiedergutmachung“? Etwa das,
was Vertreter der Friedrich Krupp AG meinten, als sie einem durch sie
geschädigten Bochumer Juden im Restitutionsverfahren einen dürftigen
Vergleich als „moralische Wiedergutmachung seines allgemeinen Unglücks“
anboten? Wohl kaum.
„Moralische Wiedergutmachung“ stand weit weniger im Fokus der
Nachkriegsdebatten als die materielle. Der Begriff selbst hat sich nicht
durchgesetzt. Er ist dehnbar und sicher ein ebensolches Wortungetüm wie
die eigentliche „Wiedergutmachung“. Und doch wurde er von zwei
überlebenden, ins Ausland emigrierten Bochumer Juden selbst ins Feld
geführt, als sie von der Stadt Bochum eine Gedenktafel am Standort der
am 9./10. November 1938 zerstörten Synagoge verlangten. Mitten in der
Stadt gut sichtbar angebracht, sollte sie Aufmerksamkeit erregen und als
eine Art „Sühnemal“ der „Erinnerung der gesamten Bochumer Bevölkerung“
dienen. Dass Widerstand gegen dieses Vorhaben ausgerechnet von Seiten
des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Recklinghausen kam,
erstaunt zunächst. Dieser musste überwunden werden, bevor die Tafel an
einer Außenwand eines auf dem Synagogengrundstück errichteten Gebäudes
an der Huestraße ihren Platz fand/.
/
Die Referentin zeichnet den schwierigen Prozess bis zur Einweihung der
Gedenktafel am 10. November 1968, genau 30 Jahre nach dem Pogrom, nach.
Sie fragt nach dem innerjüdischen Konflikt um die Tafel und die mit den
Begriffen Gedenken-Erinnern-Andenken verbundenen Postulate. Dabei
spielen auch die gefallenen Bochumer jüdischen Soldaten des Ersten
Weltkriegs eine Rolle. Dass sich ausgerechnet der frühere
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß für deren Andenken stark
gemacht hatte, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten.
Der Vortrag ist Teil der Reihe „Befreit – und dann? Eine Nachlese zum
Kriegsende vor 80 Jahren“
<www.initiative-nordbahnhof-bochum.de/veranstaltungen/befreit-und-dann.html>
der Initiative Nordbahnhof Bochum. Anmeldung erbeten unter:
anmeldung@initiative-nordbahnhof-bochum.de.
Veranstaltungsort
Historischer Nordbahnhof
Bochum, Ostring 15