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Neuerscheinung
Kemper

Kemper, Claudia/ Lorke, Christoph (Hg): Postkolonialismus in
Westfalen-Lippe und darüber hinaus (Themenschwerpunkt). Westfälische
Forschungen. 75 (2025/2026), 522 S., ISBN 978-3-402-15415-1, 69.60 €.

In Münster wird ein Denkmal verhüllt. In Hagen wird um die Präsentation
eines Fensters gerungen. Und im Ruhrgebiet entzünden sich Debatten an
Straßennamen, Statuen und Ausstellungen. Postkoloniale Debatten
beschränken sich mitnichten auf den akademischen „Elfenbeinturm“. Auch
die unmittelbare Nachbarschaft gibt oft genug Anlass zum Nachdenken: In
Westfalen und Lippe gibt es zahlreiche Beispiele, wie und wo sich das
koloniale Erbe Deutschlands manifestiert. Gegenwärtig ringt die
Gesellschaft um einen Umgang mit rassistisch gefärbten Traditionen und
Erinnerungen – ob im Bundestag, im Viertel oder im Revier. 2024 startete
die LWL-Kulturstiftung das Themenjahr POWR. Eines der 22 geförderten
Projekte war die Veranstaltungsreihe „Postkolonial vor Ort“, initiiert
von Dr. Claudia Kemper und Dr. Christoph Lorke vom LWL-Institut für
westfälische Regionalgeschichte. „Zu den fünf Terminen kamen derart
viele spannende Impulse, dass wir das Thema nicht einfach wieder fallen
lassen wollten“, sagt Kemper. Und somit widmet sich die neueste Ausgabe
der Westfälischen Forschungen, die Fachzeitschrift des LWL-Instituts für
westfälische Regionalgeschichte, dem „Postkolonialismus in
Westfalen-Lippe und darüber hinaus“. 37 Autor:innen richten in 25
Beiträgen ihren Blick auf verschiedene Facetten der Debatte. Kern des
Schwerpunkts sind 14 Werkstattberichte über zivilgesellschaftliche,
wissenschaftliche oder kommunale Projekte in Münster, Gütersloh,
Bielefeld, Paderborn, Detmold, dem LWL-Freilichtmuseum Hagen, Dortmund,
Chemnitz, Bamako, Düsseldorf und Köln. Die hier vorgestellten Projekte
erreichten nicht nur Fachpublikum, sondern auch Schulklassen und
zivilgesellschaftliche Akteur:innen. Die Werkstattberichte werden
gerahmt von theoretischen und auch auf die Zukunft gerichteten
Beiträgen. Stadtrundgänge, Ausstellungen, Workshops oder ein Festival
sind ebenso Themen wie Comics und KI.

Anker ist hierbei stets die Perspektive auf die Region. Besonders
deutlich wird so die enge Verzahnung von Forschung und
gesellschaftlichem Engagement. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis
stehen nebeneinander und eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf ein
gemeinsames Thema. Gerade diese Vielfalt macht sichtbar, wie breit die
Auseinandersetzung inzwischen geführt wird – und wie wichtig es ist,
verschiedene Stimmen einzubeziehen, um koloniale Verflechtungen in ihrer
ganzen Komplexität zu verstehen.

Infos zum Inhalt der Ausgabe:
www.lwl-regionalgeschichte.de/de/publikationen/westfaelische-forschungen/