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LWL
Kunstmuseum Bochum ist Denkmal des Monats Januar

Bochum (lwl). *Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erklärt das
Kunstmuseum Bochum zum Denkmal des Monats Januar.* Der 1983 eröffnete
Erweiterungsbau des Kunstmuseums wurde 2025 unter Denkmalschutz gestellt
und ist das jüngste Baudenkmal Bochums. Mit der Unterschutzstellung
würdigen das LWL-Denkmalfachamt und die Untere Denkmalbehörde der Stadt
Bochum die architektonische und kulturelle Bedeutung des Museumsbaus der
Nachkriegsmoderne, der von den dänischen Architekten Jørgen Bo und
Vilhelm Wohlert entworfen wurde.

Mit seiner offenen, transparenten Architektur gilt das Museum als ein
Meilenstein im Bochumer Strukturwandel. Das Gebäude ergänzte als
Erweiterungsbau die bereits unter Denkmalschutz stehende Villa
Marckhoff-Rosenstein. Nach der Bergbaukrise erlebte die Stadt eine
Hinwendung zu Bildung und Kultur. „Das kulturelle Leben profitierte vor
allem von der Ruhr-Universität Bochum, die 1965 eröffnet wurde und deren
Kunstgeschichtliches Institut, das einen Schwerpunkt im Bereich der
zeitgenössischen Kunst hatte“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Eva
Dietrich. „So waren in den 1970er-Jahren die Voraussetzungen für einen
Erweiterungsbau der städtischen Kunstgalerie günstig.“

Für den Architektenwettbewerb des Erweiterungsbaus hatte der damalige
Museumsdirektor Dr. Peter Spielmann konkrete Vorstellungen: „Das Museum
sollte möglichst transparent gestaltet und nicht ein ‚Tempel der
Repräsentation‘, sondern ein ‚Haus mit Werkstattcharakter‘ werden“, so
Denkmalpflegerin Dietrich. „Vor diesem Hintergrund ist es verständlich,
dass sich Stararchitekt Gottfried Böhm mit seinem dominanten,
geschlossenen Museumsentwurf nicht durchsetzen konnte.“ Beauftragt
wurden schließlich die dänischen Architekten Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert.

Bo und Wohlert planten einen mehrfach gestaffelten Baukörper, der an die
Villa mit Ausstellungsflächen anschließt und durch Glasflächen und
Terrassen ein hohes Maß an Transparenz und Offenheit erreicht. „Eine
große Rolle spielt der Standort des Museums gegenüber vom Stadtpark“,
sagt Dietrich. „Durch die Ausstellungsterrassen und Sichtbeziehungen
wird der Park zur erweiterten Ausstellungsfläche.“ Mit Platten aus
Tombak (eine Legierung aus Kupfer und Zink) soll sich die Museumsfassade
zudem im Alterungsprozess in Farbe und Musterung Baumrinde angleichen.
„Die gewünschte optimale Belichtung der Hauptausstellungsflächen wird
durch pyramidenartige Oberlichter erreicht, die eine besonders gute
Streuung des Tageslichtes ermöglichen“, erklärt Dietrich.

Das Museum wurde als ein Ort der Kunst und Kultur für jedermann
konzipiert. „Die Umsetzung dieser Idee wird schon im Eingangsbereich
deutlich, der durch die Staffelung der Baukörper, den überdachten Gang
und die großformatigen Fensterflächen besonders einladend wirkt“, so
Dietrich. „Die Architekten hatten die Vorstellung, dass das Museum auch
ein Transitbereich zwischen Innenstadt und Stadtpark sein könnte, in dem
die Kunstwerke im Vorbeigehen wahrgenommen werden könnten.“ Die große,
skulpturale Rampe im Zentrum des Museums dient nicht nur der
barrierearmen Erschließung, sondern soll verschiedene Perspektiven auf
die Kunstwerke ermöglichen und die Kommunikation der Besucherinnen und
Besucher fördern. Der Vortragssaal bietet mit seinen verstellbaren
Bodenelementen unterschiedlichen Veranstaltungen Raum und erreicht durch
seine Multifunktionalität ein breites Publikum.

„Das Kunstmuseum Bochum wurde als Ort der Kommunikation und als
demokratische Institution konzipiert“, sagt Dietrich. „Diesem heute
wieder brandaktuellen Thema gibt das Museum durch Ausstellungen und
Veranstaltungen einen Rahmen. Die Wertschätzung und Bewahrung dieses
konzeptionellen und künstlerischen Gesamtwerkes werden nun auch durch
den Denkmalschutz unterstützt.“

/Hintergrund: Das Kunstmuseum Bochum als Gesamtkunstwerk/
Bereits während der Planungsphase erstellten Künstlerinnen und Künstler
Entwürfe, um ein optimales Zusammenspiel von Architektur und wandfester
Kunst zu erreichen. Besonders auffallend sind die Plexiglasgestaltung
von Terry Haas an der hauseigenen Bibliothek und die
Porzellanfliesenwand von Mogens Andersen. Letztere wurde bereits vor dem
Einbau der Rampe angebracht und ist nur in Ausschnitten zu sehen.
Weitere wandfeste Kunstwerke nehmen Flächen und Räume ein, die nicht für
Exponate geeignet sind. Das Museum wurde somit zum Gesamtkunstwerk.