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Forschungszentrum
Hagener Archiv „Deutsches Gedächtnis“

*Hagener Archiv „Deutsches Gedächtnis“ ist Forschungsdatenzentrum
Das FernUni-Archiv stellt Oral-History-Interviews mit Zeitzeug:innen für
Forschungen bereit. Jetzt hat es der Rat für Sozial- und
Wirtschaftsdaten offiziell als Forschungsdatenzentrum akkreditiert.*

„Forschungsdaten haben innerhalb der letzten zehn Jahre unheimlich an
Bedeutung gewonnen“, erklärt Dr. Almut Leh, Geschäftsführerin des
Instituts für Geschichte und Biographie (IGB) der FernUniversität in
Hagen. „Innerhalb der Geschichtswissenschaft hat dadurch auch die Oral
History eine stärkere Aufmerksamkeit bekommen.“ Der Begriff Oral History
steht für eine geschichtswissenschaftliche Methode, die persönliche
Lebensgeschichten vor allem in narrativen Interviews erfasst. Dabei
stehen subjektive Erfahrungen und Erinnerungen der Zeitzeug:innen im
Zentrum. Einflussreicher Vertreter dieser Methode ist seit seiner
Gründung Anfang der 1990er Jahre das Hagener IGB, dessen Archiv
„Deutsches Gedächtnis“ tausende Interviews mit Zeitzeug:innen
aufbewahrt. Jetzt hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
das Archiv offiziell als Forschungsdatenzentrum akkreditiert.

Für die FernUniversität, die ihr Profil als digitale „DatenUni“ weiter
stärken möchte, ist das ein konsequenter Schritt – und eine gute
Nachricht: Durch die Akkreditierung wird das Archiv „Deutsches
Gedächtnis“ Teil eines einflussreichen Netzwerks von 39
Forschungsdatenzentren in Deutschland, die datenschutzkonform und
qualitätsgesichert sensible quantitative und qualitative Daten für die
Wissenschaft bereitstellen.

Neben einem Bestand aus rund 4.000 Zeit:zeuginnen-Interviews, die als
Filme oder Tondokumente vorliegen, sichert das Archiv über 1.000
Autobiografien, Tagebücher, Briefsammlungen und viele andere subjektive
Erinnerungszeugnisse. Entstanden sind die Interviews seit Beginn der
1980er-Jahre – im Rahmen der zeitgeschichtlichen Forschung des Instituts
und seiner Vorläuferprojekte. Hinzu kommt Material, übergeben von
anderen Wissenschaftler:innen verschiedener Fächer.

/Quellenschatz der Oral History/
„Das Archiv ‚Deutsches Gedächtnis‘ war im Prinzip schon immer das
‚Forschungsdatenzentrum‘ unseres Instituts – auch, wenn es noch nicht so
hieß“, so Almut Leh. „Üblicherweise entstehen historische Quellen nicht
im Forschungsprozess, sondern sind schon vorher da“, erklärt die
Geschichtswissenschaftlerin. A/nders in der Oral History: //„Das
Besondere hierbei ist, dass wir uns mit unseren Interviews eigene
Quellen schaffen, eben Forschungsdaten – so wie sie zum Beispiel auch
bei psychologischen Erhebungen entstehen.“/

/Professioneller Umgang mit Daten/
Die generierten Daten sind personenbezogen und oft sensibel, weshalb es
im Archiv klare Regeln mit Blick auf die Aufbewahrung, Einsicht und
weitere Verarbeitung gibt. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten war
für uns seit jeher ein wichtiger Punkt“, sagt Leh. Das bedeutet
einerseits den Schutz der Daten nach hohen Standards, andererseits aber
auch die Öffnung für Sekundäranalysen: „Für uns war immer klar, dass die
Interviews über unsere eigenen Projekte hinaus genutzt werden würden.“
Der Grund ist ein natürlicher: Zeug:innen, etwa des Nationalsozialismus
und zweiten Weltkriegs, versterben – die Archivierung der Interviews
bewahrt ihre Erinnerungen für die Nachwelt.

/Nutzbarkeit erleichtern/
Auch deshalb ist dem Team des Instituts wichtig, die gesammelten
Forschungsdaten für angemeldete Nutzer:innen auch online erreichbar zu
machen und sammlungsbergreifende Recherchen zu erleichtern – etwa durch
die Beteiligung an der webbasierten Infrastruktur
„oral-history.digital“, in der das Archiv „Deutsches Gedächtnis“ derzeit
bereits über 1.500 Interviews bereitstellt. „Damit sind wir der größte
Anbieter von Daten bei oral-history.digital“, ordnet Leh ein. „Die
leichtere Zugänglichkeit über die Plattform steigert wiederum die
Nachfrage.“ Das gilt nicht nur für Forschende, sondern zum Beispiel auch
für Studierende, für die das Quellenmaterial eine perfekte Ausgangslage
für Abschluss- und Seminararbeiten bieten kann.

/Technik erhöht das Potenzial/
Angesichts der stetig wachsenden Fülle an Filmen, Tonaufnahmen, Briefen
und vielem mehr bleiben die Hagener Forschenden immer am Ball: Zur
Sichtung, Transkription, Verzeichnung und Dokumentation der historischen
Quellen nutzen sie moderne Mittel – zum Beispiel automatische
Spracherkennung und andere KI-Werkzeuge. Die digitale Technik gibt der
Oral History weiteren Auftrieb. „Früher hat man vielleicht 30 Interviews
miteinander vergleichen können, heute kann man sich leicht 300 auf
einmal vornehmen und nach Gemeinsamkeiten untersuchen“, nennt Almut Leh
ein Beispiel. Neben der Technik soll es bald auch mehr „Manpower“ geben:
„Wir sind sehr froh, dass wir mit Beginn des Jahres eine
Archivmitarbeiterin einstellen konnten, um uns weiter zu
professionalisieren und unsere Forschungsdaten so vielen Menschen wie
möglich zugänglich zu machen.“

Weitere Informationen:
www.fernuni-hagen.de/geschichteundbiographie/ Institut für
Geschichte und Biographie
<www.fernuni-hagen.de/geschichteundbiographie/ Institut für
Geschichte und Biographie>

Quelle: idw-online.de/de/news864415