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Ausstellung „“Wie’s innen aussieht

bis 28. Juni 2026

*Ausstellung „“Wie’s innen aussieht, geht niemand was an.“*

Mit der Ausstellung „Wie’s innen aussieht, geht niemand was an.“ gewährt
das Hoesch-Museum einen intimen Blick auf den Alltag der Dortmunder
Griechen von 1976. Fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung zeigt das
Fotografen-Duo Spiler und Strenge ihre damals viel diskutierten Bilder
im neuen Licht. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen eine starke Gemeinschaft:
Ein Jugendlicher lächelt im weit aufgeknöpften, bauchfreien
Sternchenhemd und knallenger Jeans in die Kamera. Eine Reihe Kinder
zeigt einen traditionellen Tanz auf dem Schulhof. Dann ein Blick ins
Wohnzimmer auf eine gesellige Runde an einem Tisch, vollgestellt mit
Essensplatten. Dass sich alle von den Tellern einfach ihr Essen nahmen,
fanden die beiden jungen Fotografen bemerkenswert – Fingerfood war ihnen
neu. Diese Einblicke sind besondere Momente der Reportagefotografie.

Die beiden Fotografen, Jürgen Spiler und Thomas Strenge, beide Anfang 20
Jahre alt, begleiteten 1976 drei Monate lang den Alltag einiger
grichischen Gastarbeiter*innen in Dortmund. Sie waren Teil der
Gemeinschaft und wurden am Ende kaum noch wahrgenommen, erzählen sie.
Wichtig für die Nähe und den besonderen Blick auf Familien, Alltag, aber
auch auf Arbeitslosigkeit und Armut.
/
Foto-Reportage mit Blick in die Community war „der Zeit voraus“/
Wiederentdeckt hat die Fotos die Leiterin des Hoesch-Museums, Isolde
Parussel, per Zufall, als sie vor zehn Jahren für eine Ausstellung zur
Münsterstraße recherchierte. „Das zeigt, was Museumsarbeit auch ist und
was sie leisten kann“, so Isolde Parussel. Denn: Der Fund stellte sich
als wahrer Schatz heraus, nicht nur für die Museumsarbeit, auch für die
heutige Community in der Nordstadt. Bilder der beiden Fotografen sowie
300 Fotos von Jugendlichen, die mit geliehenen Kameras selbst ihr Leben
dokumentierten, zeigen die erste Gastarbeiter*innen-Generation. „Das ist
ein beispielloses Projekt. Was die beiden vor 50 Jahren gemacht haben,
war der Zeit voraus: Mit teilnehmender Fotografie in die Community
gehen, sich das Vertrauen erarbeiten und den Alltag so zeigen, wie er
war“, lobt Wolfgang Weick vom Vorstand des Vereins „Freunde des
Hoesch-Museums“.

/Ausstellung wurde in Presse und Politik kritisiert/
Fast 5000 Griechen lebten damals in Dortmund, die meisten rund um den
Borsigplatz oder am Hafen. Nach dem Anwerbe-Abkommen von 1960 wanderten
besonders aus Griechenland viele Familien ein und nicht nur Männer, wie
sonst oft üblich. Die beiden Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge
zeigten die Fotos als Auftagsarbeit bei den „Dortmunder
Auslandskulturtagen“ im Jahr 1976.
Allerdings war die Ausstellung durchaus umstritten. Griechenland war
1976 Partnerland der Auslandskulturtage. Das offizielle Programm sollte
die junge Republik positiv zeigen, als Land der Antike, Reiseland,
EG-Beitrittskandidatin; auch ihre Theatertradition oder Folklore. Die
Mitbürger*innen aus Griechenland in Dortmund waren eigentlich kein
Thema. Die Ausstellung – vor allem das Dortmund-Bild – wurde damals von
Politik und Presse heiß diskutiert und kritisiert: Die Bilder seien zu
trostlos zu wenig positiv.
Tatsächlich aber dokumentieren die Bilder eindringlich die
Lebensrealität einer ersten Migrant*innengeneration und sind ein
wichtiges Zeugnis dieser Zeit. 50 Jahre später zeigt die Ausstellung
einen erweiterten Blick auf die damaligen Aufnahmen. Sie dokumentiert,
wie sich Lebensrealitäten und gesellschaftliche Teilhabe verändert haben
– und lädt Besucherinnen und Besucher ein, bekannte Gesichter oder Orte
wiederzuentdecken.

/Umfangreiches Rahmenprogramm/

* An den Sonntagen (15. März, 12. April, 17. Mai und 14. Juni, 11 bis
12 Uhr) führen die Fotografen Spiler und Strenge persönlich durch
die Ausstellung. Dabei berichten sie über Entstehung und Rezeption
ihrer Arbeiten, über Begegnungen mit der griechischen Community in
ihren frühen Jahren sowie über die Bedeutung der Aufnahmen im
Rückblick auf fünf Jahrzehnte gesellschaftlicher Entwicklung. Die
Führung kostet 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro.
* Ein Erzählcafé mit Zeitzeug*innen-Gespräch unter dem Titel „Griechen
in Dortmund“ lädt am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr zum Austausch.
Thematisiert werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ersten
griechischen Beschäftigten bei Hoesch, das Alltagsleben in Dortmund
der 1970er- und 1980er-Jahre sowie Treffpunkte der Community
zwischen Flurstraße, Taverna Kosmos, Fritz-Henßler-Haus, WEZ oder
Kafé Aman. Auch Nachkommen der Arbeitsmigrantinnen kommen zu Wort.
Zeitzeug*innen, die eigenen Erinnerungen einbringen möchten, können
sich vorab bei Museumsleiterin Isolde Parussel unter 0231 8625916
melden. Die Teilnahme ist kostenlos.
* Unter dem Titel „Daughters and Sons of Gastarbeiters“ lesen am
Sonntag, 31. Mai, um 14 Uhr Çiçek Bacik, Rosaria Chirico und Manuel
Gogos Texte der zweiten und dritten Generation, die den Geschichten
ihrer Familien eine Stimme geben und zugleich eigene Erfahrungen
reflektieren. Die Lesung wird durch Fotografien aus privaten
Familienalben ergänzt. Der Eintritt ist frei.
* Am Sonntag, 7. Juni, um 14 Uhr zeigt das Museum den Dokumentarfilm
„Sofia & Stella. Zwei Erzählungen vom Dort und Hier“. Der
55-minütige Film von Andrea Löscher und Erika Römer begleitet zwei
Frauen aus Castrop-Rauxel auf eine Reise in ihre nordgriechischen
Heimatdörfer, aus denen sie Anfang der 1960er-Jahre nach Deutschland
kamen. Im Anschluss ist ein Gespräch mit den Beteiligten geplant.
Auch diese Veranstaltung ist kostenlos.
* Den Abschluss des Begleitprogramms bildet die Finissage am Sonntag,
28. Juni, um 11 Uhr. Nach der Begrüßung durch Dr. Karl Lauschke,
Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums e. V., zieht
Museumsleiterin Isolde Parussel ein Resümee der Ausstellung. Im
Anschluss werden die ausgestellten Fotoabzüge gegen eine Spende
zugunsten des Jugendrings Dortmund abgegeben. Der Jugendring hatte
1976 das Fotoprojekt finanziert.

Der Eintritt ist frei. Das Begleitheft gibt es im Museum für 4 Euro.
Finissage: Sonntag, 28. Juni, 11 Uhr.

*Veranstaltungsort*
Hoesch-Museum
Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund
URL:
www.dortmund.de/themen/freizeit-und-kultur/museen-und-kunst/hoesch-museum/
<www.dortmund.de/themen/freizeit-und-kultur/museen-und-kunst/hoesch-museum/>

Quelle: E-Mailing-Liste „Westfaelische Geschichte“ – ein Service des
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