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Ausstellung
PORTA POLONICA- Polnische Überlieferung in Kirchen des Ruhrgebiets (Neufassung)

*Heute wurde irrtümlich ein gekürzter Ausstellungstext über die
Mailingliste versandt. Hier die ungekürzte Textfassung.*

Online-Ausstellung: Polnische Überlieferung in Kirchen des Ruhrgebiets,
ab 02.07.26

Im Ruhrgebiet spiegeln mehrere hundert Kirchen seit 1870
Industriegeschichte wider – in kultureller, sozialer und auch in
nationaler Hinsicht. Eine Online-Ausstellung von PORTA POLONICA
dokumentiert dieses Thema am Beispiel der Ruhrpolen. Bei PORTA POLONICA
handelt es sich um eine Dokumentationsstelle der LWL-Museen für
Industriekultur zur Kultur und Geschichte der Pol:innen in Deutschland.
Die Ausstellung wurde von Thomas Parent erarbeitet.
[https://www.porta-polonica.de/de/atlas-der-erinnerungsorte/polnische-ueberlieferungen-katholischen-kirchen-des-ruhrgebiets].

Vor dem Ersten Weltkrieg lebten mehr als 300.000 katholische
Zuwanderer:innen mit polnischer Muttersprache im Ruhrrevier. In manchen
Kirchengemeinden der Emscherzone bildeten sie die Mehrheit und
engagierten sich nicht selten beim Bau und bei der Ausstattung von neuen
Gotteshäusern. Gestiftet wurden Altäre für ruhrpolnische Gottesdienste
oder auch Beichtstühle, wo man in polnischer Sprache dem Priester seine
Sünden bekennen konnte.

Die Notwendigkeit, nationale Spannungen zwischen deutschen und
polnischen Katholiken zu mildern, fand damals ihren Ausdruck in
Sakralbauten nach Maßgabe der „christozentrischen“ Architekturtheorie
des Gladbecker Seelsorgers Johannes van Acken. Gefordert wurde die
„Ausweitung des mittleren Kirchenraumes“ mit der Wirkungsabsicht, „dass
der Altar das Zentrum der Aufmerksamkeit, der Augen- und Herzpunkt
möglichst für alle sei.“ In einem einheitlichen Zentralraum könnten auch
national dissonante Gemeinden bei der gemeinsamen Feier der heiligen
Messe ihre latenten Konflikte leichter überwinden als in einer
traditionellen Basilika mit separierten Seitenschiffen.

Die digitale Ausstellung zeigt Bilder der Heilig-Kreuz-Kirche in
Gladbeck-Butendorf als typisches Beispiel für christozentrische
Sakralarchitektur. Vor allem stellt sie heilige Persönlichkeiten vor,
die von polnischen Katholiken besonders verehrt wurden, zum Beispiel die
Muttergottes von Tschenstochau oder den heiligen Josef als Schutzpatron
der Arbeiter. Natürlich fehlt auch die Bergbau-Patronin Barbara nicht,
deren Kult im Ruhrgebiet durch oberschlesische Zuwanderer:innen um 1900
maßgeblich intensiviert wurde. In manchen Revierkirchen stößt man auf
Zeugnisse einer Verehrung spezifisch polnischer Nationalheiliger. In
Recklinghausen-Suderwich ist Stanislaus Kostka auf einem Farbfenster
dargestellt. In Herne-Röhlinghausen zeigt ein Altarbild den prominenten
Erzbischof Adalbert (Wojciech), der im Mariendom von Gnesen (Gniezno),
dem Sitz des polnischen Primas, bestattet liegt.

Im Ruhrgebiet erinnert heute nur noch wenig an das polnische kirchliche
Leben in den Jahrzehnten der Industriellen Revolution; das meiste wurde
im Zweiten Weltkrieg vernichtet oder während der deutschen
Wirtschaftswunderjahre gedankenlos entsorgt. Die Internet-Ausstellung
dokumentiert die wenigen erhaltenen Objekte, die nachweislich von
katholischen Polenvereinen geschenkt worden sind. An erster Stelle ist
hier ein neugotischer Marienaltar in der St.-Barbarakirche von
Dortmund-Eving zu würdigen, mit Stiftungsinschriften in deutscher und in
polnischer Sprache. Ein Beichtstuhl mit polnischer Inschrift blieb in
der (inzwischen profanierten) St.-Apostelkirche in der Dortmunder
Nordstadt erhalten und soll dem Ruhr Museum übereignet werden. Ein
ruhrpolnisches Missionskreuz hängt in St. Josef in Dortmund-Nette. Ein
weiteres Missionskreuz, aus Recklinghausen-Hillerheide, befindet sich im
Museum RELIGIO in Telgte bei Münster.

In wenigen Fällen ist auch liturgisches Gerät überliefert, das eine
Kirchengemeinde oder ein bestimmter Priester von Ruhrpolen geschenkt
bekam. St. Anna im Dortmunder Unionviertel, seit 2003 Kirche der
Polnischen Katholischen Mission im Ruhrgebiet, besitzt ein Ziborium zur
Aufbewahrung von konsekrierten Hostien, das Polinnen 1910 ihrer
Kirchengemeinde stifteten. Aus der Dreifaltigkeitskirche im Dortmunder
Nordviertel stammt ein Messkelchbei dem unter dem Fuß eine polnischen
Widmungsinschrift eingraviert wurde: „Swemu Dyrektorowi, Wiel. Ks.
Mehlerowi Bractwo Różańca Św. Parafii Św. Trójcy. 10. XII. 1913“. (An
seinen Direktor, den ehrwürdigen Priester Mehler, die Bruderschaft des
Heiligen Rosenkranzes der Pfarrei der Heiligen Dreifaltigkeit. 10.
Dezember 1913). Im vereinsmäßigen Umfeld von St. Dreifaltigkeit wurde im
Dezember 1909 der BVB gegründet, der Fußballverein Borussia Dortmund.
Zur Zeit wird das Gotteshaus zu einem interreligiösen und
multikulturellen Erinnerungsort umgebaut.