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Doch nicht so gleich? Soziale Ungleichheit und das normative Ideal der Gleichheit

*Doch nicht so gleich? Soziale Ungleichheit und das normative Ideal der
Gleichheit*

*Call for Papers für eine Konferenz vom 14.–16. September 2026 in
Schwerte. Deadline: 29. März 2026*

Seit den 1980er Jahren ist in Deutschland eine Zunahme sozialer
Ungleichheiten zu beobachten. Daran hat sich in den letzten Jahren
grundsätzlich nicht viel geändert: Von 2010 bis 2021 nahm in Deutschland
die Einkommensungleichheit kontinuierlich zu und ist bis 2023 nur leicht
wieder gesunken.[1] Noch größer ist die Ungleichheit bzgl. der
Vermögensverteilung: 2021 verfügten in Deutschland die obersten 10 % der
Bevölkerung über mehr als die Hälfte des gesellschaftlichen
Gesamtvermögens.[2] Weltweit entfielen zwischen 2000 und 2024 41 % des
gesamten neu geschaffenen Vermögens auf das reichste Prozent der
Menschheit, während die untere Hälfte nur ein Prozent erhielt.[3]

Angesichts solcher Befunde sind Fragen sozialer Ungleichheit – nicht nur
in Bezug auf materielle Aspekte – hochaktuell. Im Allgemeinen beziehen
sie sich auf die relativ dauerhafte ungleiche Verteilung sozial
begehrter bzw. wertvoller Positionen und Güter. Soziale Ungleichheiten
zählen zu den «Kernfragen der Gesellschaft, in der wir leben»[4].
Einerseits sind sie gesellschaftlich hergestellt und daher veränderbar.
Andererseits verlangen sie in ihrem Widerspruch zu einem normativen
Ideal der Gleichheit aller Menschen nach Rechtfertigung. So muss zwar
nicht jede Ungleichheit zwangsläufig illegitim oder ungerecht sein,
bedarf jedoch einer sorgfältigen Prüfung.

Sozialethische Perspektiven auf soziale Ungleichheiten fokussieren
besonders deren normative Bewertung. Diese gewinnt aktuell an Bedeutung,
weil sich das normative Ideal der Gleichheit aller Menschen zugleich in
Konflikten um Diversität und Antidiskriminierung neu bewähren muss. Wenn
etwa unterschiedliche Ungleichheitserfahrungen oder Ansprüche auf
Gleichheit und Antidiskriminierung gegeneinander ausgespielt werden,
können sich «Ambivalenzen der Gleichheit»[5] einstellen. Vor diesem
Hintergrund sind sowohl das Verhältnis von sozialer Ungleichheit und
Diskriminierung als auch deren beider Verhältnis zum normativen Ideal
der Gleichheit aller Menschen zu bestimmen und zu diskutieren.

Das Forum Sozialethik 2026 zielt darauf, die Frage(n) sozialer
Ungleichheit möglichst breit, interdisziplinär und multiperspektivisch
zu betrachten. Beiträge können sich u. a. auf *folgende Aspekte *beziehen:

Erscheinungsformen sozialer Ungleichheit: Welche Formen sozialer
Ungleichheit lassen sich unterscheiden (z.B. anhand von ökonomischem,
kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital[6])? Wie gestalten sich
konkrete Ungleichverteilungen in der Sozialstruktur gegenwärtiger
Gesellschaften? Welche Aussagen lassen sich diesbezüglich in globaler
Hinsicht treffen? Wie lassen sich verschiedene Erscheinungsformen
sozialer Ungleichheit bewerten?

Faktoren und Mechanismen von sozialen Positionszuweisungen: Welche
Faktoren (Gender, Religion, regionale Angebundenheit etc.) spielen für
die Position von Gruppen und Individuen eine Rolle, die sie innerhalb
eines ungleichen Gefüges einnehmen? Durch welche sozialen Mechanismen
wird diese positionelle Zuweisung bewirkt (z.B. Migrantisierung)? Wie
verbinden sich verschiedene dieser Mechanismen und Faktoren
(Intersektionalität)?

Folgen sozialer Ungleichheit: Welche negativen Folgen haben ungleiche
Verhältnisse für Individuen und Gruppen (Krankheitsbelastung,
Prekarisierung, Auswirkungen der Klimakrise etc.)? Inwiefern können
diese Folgen im Zusammenhang mit funktionalen Gewinnen für andere
Gruppen, Klassen oder Gesellschaften gesehen werden (z.B.
Wohlstandsakkumulation)? Welche Zusammenhänge können zwischen
Ungleichheit und politischen Phänomenen wie Protesten, Wahlbeteiligung
oder dem rechtspopulistischen Aufstieg gefunden werden?

Politische Bearbeitung sozialer Ungleichheit: Welche Rolle spielen
Ungleichheitsphänomene in politischen Debatten und politikstrategischen
Ausrichtungen? Wie werden bestehende Ungleichheiten überhaupt politisch
relevant? Unter Rückgriff auf welche anderen Vorstellungen werden
ungleiche Verhältnisse gerechtfertigt (z.B. meritokratische Ideale oder
Naturalisierungen)? Welche diskursiven Verschiebungen lassen sich durch
die aufkommenden rechtspopulistischen Strömungen beobachten?

Theoretische Reflexionen des normativen Ideals von Gleichheit: Kann es
gerechte Formen sozialer Ungleichheit geben? Welche Kriterien lassen
sich für eine solche Unterscheidung finden? Ist die moderne Norm der
Gleichheit rein formal artikulierbar oder verbindet sie sich
notwendigerweise auch mit materialen Ansprüchen? Wie verhält sie sich zu
anderen (spät-)modernen Normen wie Diversität? Gibt es Formen von
Ungleichheit, die nicht sozial bedingt sind? Besitzen diese normative
Relevanz?

*Willkommen sind *Einsendungen zu einzelnen Themenbereichen genauso wie
solche mit übergreifender Perspektive, beispielsweise auch mit Bezug auf
Anwendungsfälle in der eigenen Forschung. Vorschläge für Beiträge können
bis zum 29. März 2026 eingereicht werden (ca. 3.000-4.000 Zeichen inkl.
Leerzeichen als PDF). Das Abstract soll den Inhalt des geplanten
Beitrags und dessen Verortung im Themenfeld der Tagung skizzieren sowie
grundlegende Literaturverweise und kurze Angaben zur Person enthalten.
Die Vorträge sollen die Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten, um
ausreichend Zeit für Rückfragen und Diskussion zu lassen.
Englischsprachige Vorträge sind möglich, die Tagungssprache ist Deutsch.

*Vom Call for Papers angesprochen sind Nachwuchs-Sozialethiker*innen
(Promotion, Habilitation) sowie fortgeschrittene Studierende*.
Vertreter*innen aus benachbarten oder angrenzenden Disziplinen (aus
anderen theologischen Fächern, aus Philosophie, Geschichts-,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften etc.) sind ebenfalls herzlich
willkommen. Das Forum Sozialethik hat Werkstatt-Charakter, sodass auch
offene Fragen vorgestellt und diskutiert werden können. Es ist eine
Initiative junger Sozialethiker*innen im deutschsprachigen Raum.

Abstracts, Rückfragen und Anregungen sind zu richten an:
tagungen@forum-sozialethik.de.

Siehe zu den Anmerkungen unter
www.soziopolis.de/fileadmin/Editorial/Calls/CfP_Forum_Sozialethik_2026_deutsch-englisch.pdf
<www.soziopolis.de/ausschreibungen/call/doch-nicht-so-gleich-soziale-ungleichheit-und-das-normative-ideal-der-gleichheit.html>

<www.soziopolis.de/ausschreibungen/call/doch-nicht-so-gleich-soziale-ungleichheit-und-das-normative-ideal-der-gleichheit.html>