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Victims of Biomedical Research under National Socialism
Max-Planck-Gesellschaft veröffentlichen Opferdatenbank*
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zehntausende Menschen Opfer
erzwungener medizinischer Forschung. Eine heute von der Nationalen
Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Max-Planck-Gesellschaft
veröffentlichte Online-Datenbank bietet erstmals systematischen Zugang
zu Namen und Lebensdaten von Opfern. Sie dient damit dem Gedenken, der
Forschung und der historischen Reflexion. Aufgebaut wurde die Datenbank
im Rahmen des von der Max-Planck-Gesellschaft geförderten
Verbundprojekts „Hirnforschung an Instituten der
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer
Unrechtstaten“.
Ein wichtiger Ansatz zur Aufarbeitung der Verbrechen besteht darin, die
individuellen Schicksale der Betroffenen sichtbar zu machen und ihnen
damit Namen und Geschichte zurückzugeben. Die Datenbank umfasst rund
16.000 Profile von Menschen, die im Nationalsozialismus Opfer
erzwungener medizinischer Forschung wurden. Sie enthält zudem mehr als
13.000 Profile von Menschen, deren Schicksale noch nicht abschließend
beforscht sind. Die Datenbank ordnet den Personen und Ereignissen
Primär- und Sekundärquellen zu und bildet somit die Grundlage für
weiterführende Studien und Analysen. Privatpersonen können mithilfe der
Datenbank gezielt nach Angehörigen suchen. Die Datenbank hat ein
mehrstufiges Zugangskonzept: Namen und Lebensdaten der Opfer sind
öffentlich einsehbar, womit die Datenbank ihrer wichtigen Funktion als
Gedenkplattform nachkommt. Auf dieser Ebene werden auch Informationen zu
einzelnen Experimenten und den beteiligten Institutionen bereitgestellt.
Um die Daten für die Allgemeinheit greifbarer zu machen,
veranschaulichen ausgewählte Biografien das Schicksal einzelner
Betroffener. Eine interaktive Karte gibt Aufschluss über das Ausmaß und
die geografische Verteilung der Verbrechen. Weitere sensible Daten zur
Kranken- und Verfolgungsgeschichte der Opfer sind für die Öffentlichkeit
nicht zugänglich. Wer für Forschungs- oder Recherchezwecke umfassende
Einsicht in alle hinterlegten Daten erhalten möchte, kann über ein
Kontaktformular auf der Website einen Zugang beantragen. Angehörige
können auf Antrag den gesamten Datensatz ihres Familienmitglieds erhalten.
Die Datenbank beruht zudem auf den Ergebnissen des von der
Max-Planck-Gesellschaft geförderten Forschungsprojekts „Hirnforschung an
Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext
nationalsozialistischer Unrechtstaten“. Während der NS-Zeit sammelten
Forschende von Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft – der
Vorgängerin der heutigen Max-Planck-Gesellschaft – Hirngewebeproben von
Opfern der „Euthanasie“-Morde sowie von anderen verfolgten Personen,
darunter Kriegsgefangene, Zivilisten aus den von der Wehrmacht besetzten
Gebieten und Opfer der NS-Justiz. Viele dieser Proben wurden noch lange
nach 1945 für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Das Forschungsprojekt
arbeitet die historischen Zusammenhänge der Gewinnung, Konservierung und
Erforschung der Hirnschnitte auf. Es wurde von Paul Weindling, Prof. Dr.
Herwig Czech (Medizinische Universität Wien/Österreich), Dr. Philipp
Rauh (als Nachfolger des verstorbenen Gerrit Hohendorf, beide Technische
Universität München) und – ab 2021 als Co-Projektleiter – Prof. Dr.
Volker Roelcke (Universität Gießen) geleitet.
Die Datenbank ist in englischer Sprache veröffentlicht und über
folgenden Link abrufbar: ns-medical-victims.org/