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Buchvorstellung
Architektur als Zeugin
*Buchvorstellung: Architektur als Zeugin*
Erinnerung ist eng mit aktuellen politischen und sozialen Konflikten
verbunden. Damit ist Chile Teil des globalen Kontexts, in dem autoritäre
und geschichtsrelativierende Tendenzen an Einfluss gewinnen. Nachdem die
letzte Regierung Präsident Borics einige Erfolge in der
Erinnerungsarbeit verzeichnet, vertritt der im März 2026 gewählte
Präsident José Antonio Kast geschichtsrevisionistische Positionen. Sein
Erfolg zeigt, wie fragil das „Nunca más“ ist, wenn die Erinnerung an die
Vergangenheit unter Druck gerät. In diesem spannungsgeladenen Klima ist
die Aufarbeitung zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Da die
Zeitzeug*innen altern, rückt die Architektur als permanente Zeugin in
den Fokus.
Anstoß für das Buch war ein Straßenschild mit der Aufschrift „Villa
Baviera“, das der Autorin Nora Kersting klarmachte: „Die Geschichte des
Films Colonia Dignidad, von dem ich nicht glauben konnte, dass er auf
wahren Begebenheiten beruhte, spielte in dem Land, in dem ich mich
befand. Bei der anschließenden Recherche stellte ich fest, dass es
keinen öffentlichen Gedenkort gibt und das Gelände weitgehend als
touristischer Komplex genutzt wird. Diese Diskrepanz bildete den
Ausgangspunkt.“
Einlass ab 17:30 Uhr
Begrüßung: Dr. habil. Irmtrud Wojak (Leiterin des Fritz Bauer Forums)
Grußwort: Bodo Ramelow (Vizepräsident des Deutschen Bundestags)
Keynote: Nora Kersting M.A. (Autorin)
Kommentar: Prof. Dr. Jens-Christian Wagner (Direktor der Stiftung
Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora)
Anschließend Diskussion. Moderation: Irmtrud Wojak
Nora Kersting, M.A. wuchs in Bochum auf, studierte in Münster und
Lissabon, lernte bereits als Schülerin Lateinamerika kennen. 2023/24
schloss sie ihr Masterstudium an der Universidad Pontificia Católica in
Santiago de Chile ab. Jetzt lebt sie in Berlin und arbeitet in einem
Architekturbüro.
Bodo Ramelow ist seit 1990 in Ostdeutschland politisch aktiv und war
zuvor Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen.Von 2014 bis 2024 war er
Ministerpräsident in Thüringen, seit März 2025 ist er Vizepräsident des
Deutschen Bundestags.
Jens-Christian Wagner, studierte Geschichte und Romanischen Philologie
in Göttingen und Santiago/Chile. Nach der Promotion an der Universität
Göttingen leitete er von 2001-2014 die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
(Nordhausen) sowie anschließend die Stiftung niedersächsische
Gedenkstätten und die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Seit 2020 ist er
Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie
Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an
der Universität Jena. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des
Nationalsozialismus und seiner Folgen (insbesondere Konzentrationslager
und Zwangsarbeit), Erinnerungskulturen nach 1945, Geschichtsrevisionismus.
Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Forums.
*Veranstaltungsort*
Fritz Bauer Forum
Feldmark 107, 44803 Bochum