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CfP/ Jenseits des Kleingärten als soziale

*CfP/CfA Veranstaltungen (Vor Ort)
Jenseits des Gartenzauns: Kleingärten als soziale, kulturelle und
ökologische Räume in Geschichte, Gegenwart und Zukunft*

Veranstaltungsdatum:
18.03.2027-19.03.2027

Deadline Abstract:
28.06.2026

*Jenseits des Gartenzauns: Kleingärten als soziale, kulturelle und
ökologische Räume in Geschichte, Gegenwart und Zukunft (LWL-Museum Zeche
Zollern Dortmund, 18./19.03.2027)
*
Kleingärten sind nicht erst seit dem regelrechten ‚Schrebergarten-Boom‘
im Zuge der Corona-Pandemie als zwischen Stadt und Natur, Arbeit und
Freizeit, Produktivität und Muße, Freiheit und Ordnung, Gemeinschaft und
Rückzug, Zugehörigkeit und Ausschluss, Gestaltung und Naturgeschehen
oszillierende hybride Räume beliebt. Seit über zwei Jahrhunderten Teil
insbesondere der deutschen Stadt- und Landschaftsgeschichte, gelten sie
nicht nur bis heute als Rückzugs- und Kompensationsräume urbaner Lebens-
und Arbeitswelten, sondern auch zukunftsperspektivisch als zentrale
Schauplätze ökologischer und städtebaulicher Transformationsprozesse in
(post-)industriellen Ballungsgebieten. Ihre kulturelle Breitenwirkung
solidiert sich bereits in der frühen Massenpresse in der Zeitschrift Die
Gartenlaube – Illustriertes Familienblatt (1853–1944), die im Rahmen
ihrer unterhaltungs- und lebensweltorientierten Ausrichtung Natur-,
Familien- und Ordnungsvorstellungen massenmedial popularisierte. Ferner
offenbart sich ihre anhaltende kulturgeschichtliche Relevanz in
aktuellen populärwissenschaftlichen Darstellungen wie Ralf Nestmeyers
111 Orte, die von deutscher Geschichte erzählen (2024), in dem die
Leipziger Schrebergärten als Teil eines breiteren Spektrums
geschichtsträchtiger Orte Deutschlands verhandelt werden, in der
Ausstellung Übern Zaun. Gärten und Menschen (2025–2027) im
Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig oder in Vermittlungsorten
kleingärtnerischer Geschichte wie dem Kleingärtnermuseum Leipzig und dem
historischen Arbeitergarten im LWL-Museum Zeche Zollern Dortmund.

Die von einem kulturellen Rahmenprogramm begleitete Tagung widmet sich
dem historisch, kulturell, sozioökonomisch wie ästhetisch
anspruchsvollen und vielschichtigen Phänomen des Kleingartens mit all
seinen Kontexten, Bedingungen, Eigenheiten und künstlerischen
Vermittlungen aus einer interdisziplinären Perspektive. Mögliche
Fragestellungen, denen dabei am Beispiel literarischer Texte, medialer
Erzeugnisse und Praktiken sowie in Form historischer, sozial- und
kulturwissenschaftlicher Fallstudien oder theoretischer Reflexionen
nachgegangen werden kann, wären:

* Welche Rolle spielen mediale Formate bei der Konstruktion des
Schrebergartens als kulturelles Klischee? Wie werden dadurch
Subjektformen (z. B. „der Kleingärtner“) kulturell und medial
hervorgebracht, stabilisiert, subvertiert?
* Wie lassen sich Kleingärten als Aushandlungsräume von Arbeit,
Klasse, Migration, Gender und kultureller (Un-)Zugehörigkeit lesen?
* Welche Funktionen übernehmen Kleingärten in Krisen- und
Umbruchsnarrativen (z. B. Weltwirtschaftskrise, Nachkriegszeit,
Postindustrialisierung)?
* Welche Bildpolitiken prägen die visuelle Inszenierung von
Kleingärten etwa in Fotografie und Dokumentarfilm?
* Wie tragen digitale Plattformen (z. B. Instagram, TikTok) zur
ästhetischen und kulturellen Neucodierung von Gartenpraktiken bei?
* Welche Rolle spielen Perspektive, Rasterung und Parzellierung als
visuelle Ordnungsprinzipien in der Darstellung und Wahrnehmung von
Kleingartenanlagen?
* Wie inszenieren künstlerische Arbeiten Kleingärten sowohl als Räume
sozialer, ökologischer oder politischer Intervention wie auch als
ordnungsstabilisierende Räume des „Alles-bleibt-so-wie-es-ist“?
* Wie werden Schrebergärten im Kontext gegenwärtiger Diskurse um
Naturidyllisierung, „Neue Ländlichkeit“, Entschleunigung und
alternative Lebensentwürfe ästhetisch, medial und affektiv aufgeladen?
* Welche gesellschaftlichen Funktionen erfüllen Klein- und
Schrebergärten historisch und gegenwärtig – auch im internationalen
Vergleich? Wie sind unterschiedliche Gartenformen mit nationalen
Ideologien und kulturellen Leitbildern verknüpft? Welche Funktionen
können und sollen sie zukünftig erfüllen?
* Inwiefern tragen Kleingärten zur Transformation städtischer Räume
bei (z. B. durch Nachbarschaftsbildung, Zwischennutzung, politische
Initiativen)?
* Wie werden Kleingärten als gemeinschaftlich genutzte urbane
Natur-Räume durch soziomaterielle Infrastrukturen (z. B. rechtliche
Regelungen, Vereinswesen, Parzellierung, Zuweisungssysteme,
Wasseranschlüsse, Kompostkreisläufe) hervorgebracht, reguliert und
(de-)stabilisiert? Inwiefern erzeugen diese spezifische Formen von
Ordnung, Sichtbarkeit, Kontrolle wie auch des Konflikts im Kleingarten?
* Welche Rolle spielen Schrebergärten in ökologischen Debatten um
Nachhaltigkeit, Biodiversität und urbane Resilienz?
* Welche neuen Formen des Gärtnerns (Urban Gardening, Community
Gardening, Guerilla Gardening) treten in Resonanz oder in Konflikt
zu ‚traditionellen‘ Schrebergärten?

Organisiert wird die Tagung von Henning Podulski, M.A.|M.Ed.
(Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt,
Dortmund) und Anna Maria Spener, M.A. (Universität Paderborn).
Veranstaltungsort ist das LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund, das
ebenfalls als Kooperationspartner für das kulturelle Rahmenprogramm
gewonnen werden konnte. Die Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten
im üblichen Umfang ist  vorgesehen.

Die Tagung richtet sich an Beitragende aus den Literatur-, Medien-,
Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften sowie weiteren
angrenzenden Disziplinen; besonders willkommen sind interdisziplinäre
Perspektiven. Insbesondere Nachwuchswissenschaftler*innen in frühen
Qualifikations- und Karrierephasen sind herzlich zur Einreichung von
Beitragsvorschlägen eingeladen.

Abstracts für Vorträge im Umfang von 200–300 Wörtern (zzgl. kurzer
biobibliographischer Angaben) werden bis zum 28.06.2026 per Mail an
hpodulski@stadtdo.de und anna.maria.spener@upb.de erbeten. Die Vorträge
sollten eine Länge von ca. 20 Minuten nicht überschreiten.

Der vollständige Call unter
www.avldigital.de/de/vernetzen/fachinformationen/call-for-papers/jenseits-des-gartenzauns-kleingarten-als-soziale-kulturelle-und-okologische-raume-in-geschichte-gegenwart-und-zukunft-2/

<www.avldigital.de/de/vernetzen/fachinformationen/call-for-papers/jenseits-des-gartenzauns-kleingarten-als-soziale-kulturelle-und-okologische-raume-in-geschichte-gegenwart-und-zukunft-2/>