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NS-Verfolgte und Bücherverbrennung – Veranstaltungen am kommenden Donnerstag und im Mai

Liebe Freundinnen und Freunde der Steinwache,

der Nationalsozialismus als Staatsform war mit der deutschen Niederlage
1945 Geschichte, die ihn tragenden Ressentiments und Ideologiefragmente
waren und sind es nicht. Dies bekamen auch die ehemals Verfolgten nach
1945 immer wieder zu spüren. Zu ihnen gibt es von uns in den kommenden
Wochen zwei Veranstaltungen.

Außerdem greifen wir das Thema der Bücherverbrennung im Mai 1933 auf dem
Hansaplatz auf. In der Volkshochschule wird als Kooperation von VHS,
Max-Planck-Gymnasium, Jugendring, der Initiative „Verbrannte Orte“ und uns
dazu vom 8. Mai bis zum 3. Juni die Ausstellung „Verbrannte Orte“ gezeigt
(s. Anhang – in die Einladung zur Ausstellungseröffnung hat sich eine
falsche Anmeldeadresse geschlichen, anmelden bitte unter
kcoenen@stadtdo.de), im Rahmen derer u.a. eine Lesung auf dem Hansaplatz
stattfindet.

Darüber hinaus bieten wir auch im Mai unsere öffentlichen Stadtführungen
an.

Schauen Sie doch vorbei!

Herzliche Grüße,

Markus Günnewig

Vortrag, 30.04.2026, 19.00 Uhr im Stadtarchiv, Märkische Straße 14, 44135
Dortmund
Stefanie Schüler-Springorum: Unerwünscht – Die westdeutsche Demokratie und
die Verfolgten des NS-Regimes
Die renommierte Historikern Stefanie Schüler-Springorum stellt erstmals
die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen dar, die im
Nationalsozialismus verfolgt wurden. Damit erzählt sie eine bislang
weitgehend ausgeblendete Geschichte. Sie schildert die Erfahrungen von
überlebenden Juden und Sinti und Roma, von ehemaligen Zwangsarbeitern und
Homosexuellen im westlichen Teil Deutschlands in den ersten
Nachkriegsjahrzehnten. Es gab nach 1945 nicht weniger Antisemitismus und
Rassismus, nicht weniger Hass auf Homosexuelle als während des NS, sondern
wahrscheinlich sogar mehr. So war die Rede von »marodierenden« befreiten
Osteuropäern, wenn es um ehemalige Zwangsarbeiter ging, oder von
»feilschenden« jüdischen DPs auf dem Münchner Schwarzmarkt. Sinti und Roma
waren während des Nationalsozialismus lückenlos registriert worden. Die
30.000 Namen umfassende Kartei wurde in der Bundesrepublik weiter für
polizeiliche Maßnahmen verwendet. Auch Homosexuelle wurden weiterhin
strafrechtlich verfolgt, bis 1969 auf Grundlage des § 175 in der Fassung
von 1935. Das gängige Bild von der gelungenen Demokratisierung der
Bundesrepublik bekommt durch diese Geschichten einen Riss. Die Erfahrungen
der ehemals Verfolgten zeigen, dass der Hass und die Ressentiments gegen
sie nicht einfach verschwanden, sie waren tief im Denken der Menschen
verankert und sind es zum Teil bis heute.
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist seit 2011 Direktorin des
Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin sowie seit 2012
Ko-Direktorin des Selma-Stern-Zentrums für jüdische Studien
Berlin-Brandenburg. Zuvor arbeitete sie bei der Stiftung Topographie des
Terrors und leitete von 2001 bis 2011 das Institut für die Geschichte der
deutschen Juden in Hamburg. Ihre zentralen Themen sind die jüdische, die
deutsche und die spanische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert.

Vortrag, 21.05.2026, 19.00 Uhr im Stadtarchiv, Märkische Straße 14, 44135
Dortmund
Maximillian Becker: Antifaschismus und Kalter Krieg
Ehemalige Verfolgte des Nationalsozialismus spielten in der Nachkriegszeit
eine wichtige politische, soziale und kulturelle Rolle. Es waren vor allem
sie – in erster Linie ehemalige politische Häftlinge sowie Angehörige des
Widerstands – und ihre zahlreichen Organisationen, die für die Erinnerung
an Widerstand und Konzentrationslager, für eine Aufklärung der
Öffentlichkeit und besonders der nachwachsenden Generationen, für eine
Bestrafung der Täter und für die Rechte der Verfolgten eintraten.
Überlebende waren zudem auf beiden Seiten in den Kampagnen des Kalten
Krieges engagiert und setzten sich früh mit dem Rechtsextremismus
auseinander. Dabei waren sie grenzüberschreitend aktiv und zählten zu den
Akteuren mit Verbindungen über den »Eisernen Vorhang«. Maximilian Becker
untersucht am Beispiel der kommunistisch dominierten Internationalen
Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), des bedeutendsten internationalen
Verfolgtenverbands mit Mitgliedern aus Ost und West sowie Israel, diese
transnationalen Verbindungen und Aktivitäten. Der Einsatz für »Frieden«
war dabei zentral und machte die FIR zur Propagandaagentur im Dienste des
Ostblocks und zur Vertreterin politischer Interessen Überlebender.
Dr. Maximilian Becker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für
Zeitgeschichte München-Berlin. Er war u. a. an der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften, bei den Monumenta Germaniae Historica und am
Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt a. M.
tätig.

Lesung, 30.05.2023, 18.00 Uhr, Hansaplatz, 44137 Dortmund
Eine Bücherverbrennung mitten in Dortmund
Am 30. Mai 1933 brannten auf dem Hansaplatz Berge von Büchern. Unter
Federführung des NS-Lehrerbundes und der SA wurden hier in aller
Öffentlichkeit missliebige Druckwerke aus Buchhandlungen und
Volksbibliotheken, zum größten Teil aber aus dem Volkshaus an der 1.
Kampstraße, sowie den sozialdemokratischen und kommunistischen
Parteizentralen gegen 21 Uhr auf den Scheiterhaufen geworfen – eine der
wichtigsten Demonstrationen der neuen Machthaber in dieser Stadt. Am
damaligen Ort des Geschehens stellen vier Dortmunder Autor*innen jeweils
einen verfolgten Autor oder eine Autorin vor.
Thorsten Trelenberg ist Pate für den Dortmunder Curt Bloch, der nach
seiner Flucht aus Deutschland im niederländischen Versteck Gedichte gegen
die Nazis zu schrieb und in seinem Untergrundmagazin veröffentlichte.
Cornelia Franken stellt Annette Kolb vor. Die Pazifistin bemühte sich
lange Zeit um Vermittlung zwischen Deutschen und Franzosen, galt in beiden
Ländern als „Vaterlandsverräterin“ galt und floh vor den Nazis in die
Schweiz. Thomas Kade widmet sich Gina Kaus und ihrem Werk. Die
erfolgreiche Theater- und Romanautorin gehörte 1933 zu den „verbrannten
Autoren“ und emigrierte 1938 sie mit ihrer Familie in die USA. Heike Wulf
schließlich übernimmt eine Patenschaft für Hilde Domin. Ihre politisch
engagierte, dialogische Dichtung entfaltet ihre Wirkung durch besondere
sprachliche Einfachheit. Die geborene Hilde Löwenstein floh über Italien
nach Großbritannien und 1940 weiter über Kanada nach Santo Domingo.

Öffentlicher Stadtrundgang, 03.05.2026, 14.30–16.00 Uhr
NS-Verfolgung in Dortmund
Anhand historischer Schauplätze werden die Geschichte und die Funktion des
ehemaligen Polizeigefängnisses im Nationalsozialismus veranschaulicht. Im
Mittelpunkt stehen dabei die mit diesen Orten verknüpften Schicksale der
Verfolgten und ihre persönlichen Geschichten. Gefragt wird auch nach den
Täter*innen bzw. Verantwortlichen und dem gesellschaftlichen Umfeld. Wie
wirkte sich die breite Akzeptanz und Unterstützung der NS-Verbrechen
konkret für die Verfolgten aus?
Start vor dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastr. 3, 44137
Dortmund
Ohne Anmeldung
Kostenfrei

Öffentlicher Stadtrundgang, 17.05.2026, 14.30–16.00 Uhr
Dortmund und der Holocaust
Es werden Orte im Innenstadtbereich aufgesucht, die einen Bezug zur
antisemitischen Verfolgung in den 1930er Jahren sowie zum Holocaust haben.
Dabei wird deutlich, dass dieser „vor unser aller Haustür“ begann. Welche
Spuren gibt es heute noch? Welche Orte waren von Bedeutung? Diesen und
anderen Fragen werden wir gemeinsam nachgehen.
Start vor dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastr. 3, 44137
Dortmund
Ohne Anmeldung
Kostenfrei

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Dr. Markus Günnewig
Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Stadtarchiv Dortmund
Märkische Straße 14
44122 Dortmund
Telefon: 0231 – 5027685
Telefax: 0231 – 5026011
www.dortmund.de/steinwache
www.facebook.com/steinwache
www.instagram.com/gedenkstaette_steinwache

Der Schutz Ihrer personenbezogenen Daten ist der Stadt Dortmund ein
wichtiges Anliegen. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link:
www.dortmund.de/datenschutz.
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