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Hörspiel
Hörspiel- Westfalia – Westfalen und der Kolonialismus

*Hörspiel-Podcast zu Westfalens Kolonialgeschichte*
„Westfalia“ in Südafrika und Tabakplantagen im Münsterland?

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat einen Hörspiel-Podcast
zu Westfalens Kolonialgeschichte und deren aktuellen Bezügen produziert.
Ab sofort gibt es die Hörspielreihe auf allen gängigen Plattformen
inklusive YouTube.

Das Buch aus dem Jahr 1942, das die fiktive Protagonistin Lena, eine
junge Münsteranerin, bei ihrer Oma im Bücherregal findet, liest sich wie
ein Abenteuerroman. Unter dem Titel „Ich suchte Land in Afrika“
beschreibt Heinrich Schulte-Altenroxel (1867-1947) darin seine eigenen
Erfahrungen – als Münsterländer Kolonist in Südafrika am Übergang vom
19. zum 20. Jahrhundert. Lena begibt sich auf Spurensuche: Warum gab es
in Südafrika eine Plantage namens „Westfalia“? Wer baute vor über 100
Jahren in Münster Tabak an? Und was hat unser Leben heute hier in
Westfalen noch immer mit der Kolonialzeit der Kaiserzeit zu tun?

Das und viel mehr erfährt man in den sechs Folgen von „Westfalia –
Westfalen und der Kolonialismus – ein fiktiver Hörspiel-Podcast mit
echten Expert*innen“. Ein Zusammenspiel aus szenischem Hörspiel, Zitaten
aus historischen Quellen und O-Tönen von Expertinnen und Experten aus
Wissenschaft, Wirtschaft und aktivistischer Szene spannt einen Bogen von
der gewaltsamen kolonialen Vergangenheit zum alltäglichen Kaffeetrinken
heute. Es geht um koloniale Verflechtungen der Handelsbeziehungen bis in
die Gegenwart, um „Völkerschauen“ und stereotype Bilder in der medialen
Darstellung, um koloniale Verbrechen und nicht zuletzt auch um unser
Zusammenleben in einer diversen Gesellschaft heute. „Mir war es wichtig,
dass der Hörspiel-Podcast ein großes Themengebiet verständlich erzählt
und wir nicht erst sperrige Fachliteratur lesen müssen, um zu verstehen,
was der Kolonialismus und seine Folgen sind“, so Co-Autorin Tatjana
Niederberghaus.

Autorin Anne Kluger, Historikerin an der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, ist von der Notwendigkeit und vom Potenzial
postkolonialer Lokalgeschichtsschreibung überzeugt. „Wir wissen heute,
dass Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in Deutschland auch
jenseits der großen Städte mit dem Kolonialismus verflochten waren.
Langzeitwirkungen gibt es bis heute – in Stadtbildern, in Museen und
Archiven und vor allem in unseren Köpfen. Dazu gehört auch, meine eigene
Perspektive als weiße Autorin und die damit einhergehenden Privilegien
und blinden Flecken zu reflektieren“, so Kluger, die in Münster studiert
und mehrere Jahre an der Universität Münster gearbeitet hat.

Um Perspektivwechsel geht es auch Niederberghaus, Verlegerin und
diskriminierungssensible Producerin mit den Themenschwerpunkten
Rassismuskritik und Empowerment in Münster. Sie hat die Parts der
kritischen „Perspektivwechselstimme“ geschrieben, die romantisierende
und teils rassistische Zitate Heinrich Schulte-Altenroxels im
Hörspiel-Podcast immer wieder unterbricht, korrigiert und einordnet. „Es
wird Zeit, dass wir uns vom weißen, eurozentrischen Blick lösen und auch
andere – nicht-weiße – Perspektiven wahrnehmen und ihnen Raum geben.
Sonst wird der Gemeinschaft die Möglichkeit genommen, zu lernen und neue
Erfahrungen zu machen“, so Niederberghaus.

Gefördert wurde der neue Hörspiel-Podcast des LWL-Medienzentrums für
Westfalen von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Themenjahres 2024
„POWR! Postkoloniales Westfalen-Lippe“, an dem zahlreiche weitere
Kultureinrichtungen und Museen in der Region mit Projekten und
Ausstellungen beteiligt sind.
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Hier geht es zum Podcast
*https://westfalen-medien.lwl.org/staffel/westfalia-westfalen-und-der-kolonialismus/