| Rezension
Beier, Ernst: Als das Kohleöl noch floss - Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet (1933 - 1948), Bochum MultiLingua Verlagsges. 2000 [= Zeitzeugen - Zeitdokumente; Bd 3] Rezensiert von Hans Kania, Dortmund Auf 176 Seiten erinnert sich Ernst Beier an sein Leben zwischen 1933 und 1948. Von seinem 6. bis zum 21. Lebensjahr durchlebte er einen Zeitraum, der in mancherlei Hinsicht nur schwer zu bewältigen ist. Um so interessanter ist der Versuch von Zeitzeugen, sich heute an Geschehnisse und Lebensverhältnisse zu erinnern. Dabei kann der Autor sich auf ein gutes Gedächtnis stützen, das ihm eine ausgezeichnete Grundlage bietet, seine Biographie scheinbar spontan zu Papier zu bringen. Nach seiner Pensionierung habe er für Verwandte und Freunde seine Lebenserinnerung geschrieben und die von diesen Lesern am häufigsten angesprochenen Phasen überarbeitet, mit Erläuterungen versehen und in dieser Publikation veröffentlicht, schreibt er in seinem Vorwort. Ernst Beier warnt jedoch selbst seine Leser vor den Tücken des Gedächtnisses. Viel zu schnell lassen sich Bilder aus der Vergangenheit aufrufen, die sich bei näherer Überprüfung als nachträglich konstruierte Darstellungen erweisen. Auf Seite 45 erzählt er, zum Beleg dieser Gefahr, von Hitlerreden, die er glaubte im Original gehört zu haben, obwohl weder bei seinen Eltern noch bei seinen Bekannten vor dem 1. September 1939 ein Radio stand. Solchermaßen kritisch eingestellt, kann der Leser eine detailreiche Darstellung einer individuellen Biographie nachvollziehen, in die man immer wieder versucht ist, auch Exemplarisches hineinzulesen. In diesem Reiz liegt die tiefere Qualität des Buches. Sich selbst damit auseinanderzusetzen oder ein selbstkritisches Studium der Erinnerungen im Rahmen von Bildung und Ausbildung zu organisieren, darin scheint der Wert des Buches zu liegen. Schulzeit, Lehrzeit als Chemielaborant im Treibstoffwerk Bergkamen (1943/44), Reichsberufswettkampf und Kriegsdienst (1944/45) sind Stationen, die in der Rückschau manchmal sehr abenteuerliche, und lebensbedrohliche Erlebnisse schildern. Die Erzählung versucht authentisch zu sein. Konkret erinnert sich Ernst Beier genau an Einzelheiten, wie Liedertexte. Aber auch damals gängiger Sprachgebrauch wie die Bezeichnung "Iwan" für sowjetische Soldaten oder "Tommy" für die britischen finden Eingang in die Beschreibung. Ernst Beier hat Glück im Unglück und kommt aufgrund einer schweren Verletzung schon im Juni 1945 aus dem Krieg zurück. Deshalb findet auch die Schilderung der unmittelbaren Nachkriegszeit Eingang in die Erinnerungen. Nachdem er auf den chemischen Werken Bergkamen wieder Arbeit gefunden hat, kann er sich 1946 seinen Traum erfüllen und eine Ausbildung beginnen, die 1948/49 mit den Prüfungen zum Chemiker (heute Chemie-Ingenieur) vorläufig endet.
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