Rezension

Gantenberg, Walter, Köhling, Rolf, Spieker, Wilhelm: Kohle und Stahl bestimmten ihr Leben. Der Bergbau im Wattenscheider Süden, Ein Beitrag zur frühindustriellen Entwicklung des Ruhrgebietes, Klartext Verlag Essen, 2000, 224 S.

Rezensiert von Hans Kania, Dortmund

Die drei Autoren bieten auf den 224 Seiten ihrer Publikation einen Einblick in ihre Forschungsergebnisse zu den ehemaligen Zechen 'Maria Anna und Steinbank' und 'Engelsburg' im Raum Bochum und Wattenscheid. Als Herausgeber wird der Heimat- und Bürgerverein Wattenscheid e.V. genannt.

Vor zehn Jahren hatte sich im Heimat- und Bürgerverein ein Arbeitskreis gebildet, der sich die Erarbeitung eines Bergbauwanderweges zum Ziel gesetzt hatte. Der Wanderweg konnte 1992 eröffnet werden. Ein Jahr später beteiligte sich der Verein am 2. Wettbewerb zur Geschichte des Ruhrgebietes, den das Forum Geschichtskultur veranstaltete. Die vorliegende Publikation ist eine gründliche Überarbeitung und Vertiefung des recherchierten Materials durch die drei Autoren.

Ihre Darstellung berücksichtigt eine breite Leserschaft. Dazu gehören natürlich auch die vielen Bergbauunkundigen, für die ein 7 Seiten langes Glossar mit einfach formulierten Erklärungen sehr hilfreich ist. Ergänzend dazu sind einzelne Kapitel als sinnvolle Zusammenstellungen ('Einige Eckdaten zur Entwicklung des Ruhrgebietes und des Steinkohlenbergbaus') und grundsätzliche Einführungen in Quellen historischer Überlieferung ('Vom Kohlengraben zum Stollenbau' und 'Alles was Recht ist - Die Berggesetzgebung regelt den Bergbau') dem Buch vorangestellt. Hier finden vor allem diejenigen wertvolle Anregungen, die mit dem Gedanken spielen, selbst zu recherchieren und das Feld der Bergbaugeschichte für sich oder andere weiter zu erforschen.

Auf Seite 33 beginnt das eigentliche Thema des Buches, die Geschichte der Zechen 'Engelsburg' und 'Maria Anna und Steinbank'.

Dabei wird der letzteren erheblich mehr Raum gegeben. Die Geschichte dieser ehemaligen Stollenzeche ist sehr präzise und ausgesprochen detailliert dargestellt. Auf der Grundlage sehr umfangreicher Quellenrecherchen ist hier exemplarisch außerordentlich gut nachvollziehbar, in welchen Entwicklungsschritten sich eine der ältesten Stollenzechen des Ruhrgebietes zur Tiefbauanlage gewandelt hat. Besonders aufschlußreich ist der Wechsel der Perspektive. Zum einen veranschaulichen die eher technischen Beschreibungen aus der Kommunikation mit dem Bergamt die Betriebsentwicklung ganz hervorragend. Auf der anderen Seite werden handelnde Personen auf der Grundlage intensiver Forschung der Autoren als richtungweisende Akteure deutlich geschildert. Louis Baare, der Direktor des Bochumer Vereins ist dabei ein bekannterer Name. Aber auch weniger bekannte, wie Michael Simons, der als englischer Investor 1854 die Zeche vom Freiherrn Ludwig von Elverfeld kaufte, beeinflußten nachhaltig den Bergbau der Zeche 'Maria Anna und Steinbank'.

In dem abschließenden Kapitel 'Das Soziale Gefüge' schildern die Autoren sehr facettenreich und konkret auf die beiden Zechen bezogen, ausgewählte Aspekte des Lebens und Arbeitens der Bergarbeiter. Aus der Fülle der recherchierten Quellen können sie ein anschauliches Bild darstellen, das zwischen spannungsgeladenen Situationen wie der Bergarbeiterstreik 1889 und entspannenden Ereignissen wie kollegial gefeierten Jubelfesten zum Dienstjubiläum einen angemessenen Bogen spannt.

Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Bilder, Karten und Zeichnungen, die ausgezeichnet veranschaulichen, was im Text beschrieben wird. Durchaus professionell sind die Anmerkungen und das ausführliche Literaturverzeichnis.

Vielleicht wäre es ratsamer gewesen im hinteren Buchklappen einen aktuellen Stadtplan mit dem Verzeichnis der heute noch aufzufindenden Relikte des Bergbaus abzudrucken. Dann wäre es einfacher gewesen, den großen Tagesbruch zu verorten, der am 2. Januar 2000 neben der S-Bahn Strecke Bochum Essen einen riesigen Krater produzierte. Die Geschichte dieses Tagesbruchs jedoch haben die Autoren noch in ihre Darstellung einfügen können.

 

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