Rezension

Locker, Marc u. a. (Hrsg.): Als die Bomben fielen ... Beiträge zum Luftkrieg in Paderborn 1939 - 1945, Köln: SH Verl. 1998, 174 Seiten (= Paderborner Beiträge zur Geschichte. 7)

Rezensiert von Charlotte Heidrich, Essen

Band 7 der Paderborner Beiträge zur Geschichte beschäftigt sich mit der Zerstörung der Stadt Paderborn im Zweiten Weltkrieg. Der Buchtitel könnte genauso für viele andere Städte stehen, wäre da nicht die Besonderheit der Herausgeber bzw. der Bearbeiter. Bei den Autoren handelt es sich um Schülerinnen und Schüler zweier Gymnasien in Paderborn, die in zwei aufeinanderfolgenden Leistungskursen im Fach Geschichte diese Arbeit erstellt haben. Es sind dies die Leistungskurse des Reismann Gymnasiums und des Pelizaeus-Gymnasiums, die als Kooperationskurse in den Jahren 1993 - 1995 und 1996 - 1998 durchgeführt wurden. Der Kurslehrer war in beiden Kursen identisch. Seine Initiative und seine Unterstützung dürfen sicherlich positiv erwähnt werden.

Der Aufbau des Buches weicht als Schülerarbeit etwas von den üblichen Vorgehensweisen ab. Die Darstellung der Zerstörung Paderborns beruht einerseits auf Akten, andererseits versuchen die Autoren verstärkt die Einbeziehung der Zeitzeugen. Sie arbeiten deshalb mit einem eigenen Fragebogen, der einen breiten Ansatz ermöglicht. Der benutzte Fragebogen wird in dem Buch vorgestellt, was die Transparenz der Arbeit erhöht und gleichzeitig den Lesern die Möglichkeit bietet, Ideen für eigene Arbeiten zu entwickeln, wenn sie im Bereich der Schule tätig sind.

Die Gliederung des Buches ist klar und eindeutig und entspricht der Arbeitsweise von 16- bis 19jährigen. Zunächst wird in einer Einführung eine Begriffsklärung des „Bombenkrieges“ durchgeführt, danach werden die Flugzeugbomben und Flugzeugtypen des Zweiten Weltkrieges vorgestellt.

Der zweite Teil des Buches ist den Befragungen der Zeitzeugen gewidmet. Auf 55 Seiten werden in erster Linie Interviewausschnitte vorgestellt, die nach bestimmten Kriterien ausgewählt wurden. Die Auswahlkriterien werden angegeben, ebenso die Möglichkeit, dass die 44 vollständigen Interviews im Stadtarchiv Paderborn eingesehen werden können.

Der dritte Teil behandelt Beiträge zum Luftkrieg in Paderborn, die unterschiedliche Themenschwerpunkte haben. Die 13 verschiedenen Schwerpunkte reichen u. a. von der Presse, der Hitlerjugend, den Luftschutzräumen bis zum Sender „Primadonna“, der ein Deckname für einen der insgesamt fünf Luftlagewarndienstsender war. Die Anschaulichkeit der Darstellung wird durch zahlreiche Fotos, schematische Darstellungen, Tabellen und Kartenausschnitte ergänzt.

Beim Lesen des Buches fällt die sorgfältige Recherche der Schülerinnen und Schüler auf. Dies gilt auch für die Interviews, die mit großem Einfühlungsvermögen geführt wurden. Bei den Fragen wird geschickt nachgehakt, Impulse werden an der richtigen Stelle gesetzt und ergeben eine spannende Lektüre der Interviews. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler können sich sehen lassen. Wer in ähnlicher Weise mit Oberstufenschülern gearbeitet hat, der kann den Stellenwert dieses Buches einschätzen und würdigen.

Insgesamt eine gelungene Arbeit, die Nachahmung finden sollte.

In: Forum Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, 1999, Nr. 2, S. 56f

 

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