Rezension

Netzwerk Industriekultur Bergisches Land (Hg.): Mit Feuer und Wasser. Stationen der Industriekultur zwischen Wupper und Sieg, Essen: Klartext Verlag 2000

Rezensiert von Johannes Großewinkelmann, Solingen

Die Industriekultur des Bergisches Landes stand in der historischen Forschung und auch auf den Publikationslisten lange Zeit im Schatten der übermächtigen Industriegeschichte des nördlich an dies Region angrenzenden Ruhrgebietes. Dabei muß sich die nach den ehemaligen Grafen, später Herzögen von Berg benannte Region hinsichtlich ihres industriehistorischen Erbes keinesfalls hinter der weltweit bekannten deutschen Bergbau- und Schwerindustrieregion verstecken. Die in den letzten Jahrzehnten entstandenen oder neu konzepierten industriehistorischen und kulturgeschichtlichen Einrichtungen im Bergischen Land, zu dem man heute die Mittelgebirgslandschaft des Rheinisches Schiefergebirges mit dem Rhein im Westen, der Sieg im Süden, der westfälischen Landesgrenze im Osten und der Ruhr im Norden zählt, haben die Bedeutung eine der ältesten Industrieregionen in Europa bereits deutlich unterstrichen. Es fehlte bisher aber an einer zusammenfassenden Beschreibung der verschiedensten, sehr verstreut über die gesamte Region verteilten Institutionen, die unter dem Label der Industriekultur tätig sind.

Das im Sommer 1998 gegründete "Netzwerk Industriekultur Bergisches Land" hat als Herausgeber der vorliegenden Publikation einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Netzwerkarbeit in Sachen Bergischer Industriekultur geleistet. Der Verein "Netzwerk Industriekultur Bergisches Land", ein Zusammenschluß aus Museumsmitarbeitern und interessierten Einzelpersonen, möchte in Zukunft die Aktivitäten, Institutionen, Kräfte, Erfahrungen und Inhalte der verschiedenen Einrichtungen, von denen im privaten Besitz befindlichen Boden- und Industriedenkmälern über die ehrenamtlich geführten Museen bis hin zu den öffentlichen Einrichtungen wie etwa den Industriemuseen des Landschaftsverbandes Rheinland, für übergreifende Projekte koordinieren. Das wird keine leichte Aufgabe sein. Die Notwendigkeit zu einer solchen Zusammenarbeit aber war angesichts der ungeheuer vielen spannenden Einrichtungen zur Industriekultur im Bergischen Land schon lange überfällig. Erst im Verbund lassen sich viele Aktivitäten und Projekte wirksam für die Öffentlichkeit präsentieren und effektiv industriehistorisch nutzen.

Und genau an diesem Punkt setzt die vorliegende Publikation des Netzwerkes in hervorragender Weise an. Es ist der erste übergreifende (Reise-) Führer zu den industriehistorischen Sehenswürdigkeiten des Bergischen Landes, in dem 72 Stationen in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt werden. Museen, Denkmäler, Zeugnisse der Verkehrsgeschichte, Arbeitersiedlungen und die Bauten der Energieversorgung werden jeweils auf einer Doppelseite mit Bild präsentiert. Die einzelnen Beiträge zu den Stationen sind von den verschiedenen Autoren unter der Redaktionsleitung von Christoph Heuter stringend geschrieben. Dadurch ist ein schneller Einstieg in die industriehistorischen Zusammenhänge vor Ort möglich, ohne sich im Vorfeld umfassend einlesen zu müssen. Wer aber über die Kurzporträts zu den Stationen hinaus an historischen Zusammenhängen interessiert ist, findet in den einführenden Aufsätzen auf den ersten sechzig Seiten einen guten Einstieg in die wichtigsten Aspekte der Industriekultur der Bergischen Region. In diesen Aufsätzen werden die Nutzung der für die industrielle Entwicklung der bergischen Industrie sehr bedeutenden Wasserkraft, die verkehrstechnischen Infrastruktur, der Eisenerzbergbau, die Textilverarbeitung und die Struktur der regional typischen Kleineisenindustrie erläutert.

Den Beiträgen zu den 72 Sehenswürdigkeiten folgt jeweils ein grau abgesetztes Infokästchen, in dem wichtigsten Besucherinformationen zusammengestellt sind, von der Anschrift oder der Möglichkeit ausländische Führungen vor Ort zu bekommen, über Sonderangebote, vorhandene Gastronomie, Eintrittspreise, Parkplatzkapazitäten und die Anfahrtsbeschreibungen für Pkw und öffentliche Verkehrsmittel. Die beiliegende Übersichtskarte zu den "Stationen der Industriekultur zwischen Wupper und Sieg" eignet sich aber nur für eine grobe Orientierung. Für die Reise zu den Stationen muß diese Karte noch durch eine genauere Straßenkarte ergänzt werden. Doch die gesamte Aufmachung des (Reise-) Führers mit zahlreichen Fotos und praktischen Hinweisen zeigt, dass die Herausgeber nicht nur Wert auf die Vermittlung historischer Fakten, sondern auch auf die möglichst intensive praktische Benutzung gelegt haben. So ist zu hoffen, dass der vorliegende Band im Sinne des "Netzwerkes Bergisches Land" den Blick über den Kirchturm hinaus weitet und das "Bewußtsein für die Identität der Region als einer der bedeutenden und überaus reizvollen Industrie-Kulturlandschaften fördert" Auf die weiteren Aktivitäten des Netzwerkes kann man bei diesem Auftakt gespannt sein.

 

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