| Rezension
Wagner-Kyora, Georg: Bauer und Schmied. Die Hagener Sensenarbeiter und die Industrieregion Märkisches Sauerland 1760 - 1820, Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, 2000. ISBN-Nr. 3-89534-312-9. 255 Seiten, 6 Karten, 15 Tabellen. Preis: 38,00 DM Rezensiert von Walter E. Gantenberg, Bochum. In: Forum Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, 2001, H. 1, S. 79 Der Raum Hagen gehörte neben der in diesem Gewerbe führenden Steiermark zu den bedeutendsten Zentren der Sensen- und Sichelproduktion in Europa. Sensenhämmer und Schleifkotten reihten sich wie Perlen einer Kette entlang der Wasserläufe. Das Buch vermittelt einen anschaulichen Eindruck von der hohen handwerklichen Fertigkeit der Schmiede und Schleifer und von der Schwere ihrer Arbeit. Es zeigt die starke Abhängigkeit der Produzenten von den Kaufleuten und Verlegern, welche die Absatzmärkte erschlossen, die Produktion vorfinanzierten und die Sensen und Sicheln auf den Weltmarkt brachten. So entsteht das einprägsame Bild einer dicht besiedelten und hoch entwickelten Gewerberegion unter Nutzung der Wasserkraft als Antriebsenergie der Maschinen lange vor dem Fabrikzeitalter. Ein besonderer Reiz des vorliegenden Buches, das aus einer Examensarbeit von 1987 an der Universität Bielefeld entstand, liegt in der Fallstudie über den Ort Haspe im Gericht Hagen. Steuer- und Kantonslisten ebenso wie Hypothekenbücher vermitteln über annähernd 200 Haushalte mit knapp 700 Personen umfassende Informationen zu den Wohn- und Familienverhältnisse der Eingesessenen. Dazu kommen reichhaltige Angaben über den Haus- und Landbesitz, die Steuerkraft und Verschuldung der Bevölkerung, unter der sich in größerer Zahl Schmiede befinden. Zahlreiche Tabellen liefern anschauliches Zahlenmaterial zu diesem Themenbereich. Besonders interessant ist in der Buchgestaltung, dass jeweils als Einleitungsvignette der einzelnen Kapitel die Markenzeichen der verschiedenen Sensenschmiede gestellt werden. Ein sehr lobenswerter Beitrag, der so einen guten Überblick über das aus dem Jahr 1790 stammende "Verzeichnis der Sensenzeichnen der Enneperstraße" gibt, das heute leider nur noch sehr schwer zugänglich ist. Das Zeichen von Caspar Höfinghoff ist jedoch wohl nicht als "doppelte Fleischgabel" zu deuten, sondern eher als "Furkel", dem alten hüttenmännischen Werkzeug zum Wenden der Luppen bei der Stahlherstellung, das auch viele Hausmarken und Wappen von Eisenhüttenleuten ziert. Die als letztes Kapitel angefügte "begriffsgeschichtliche Nachbemerkung" wird sicher zu einer Auseinandersetzung mit vielen eher klischeehaften Vorstellungen und Anschauungsweisen über die Schmiede und Reidemeister des märkischen Süderlandes anregen. Von Interesse wäre allerdings auch gewesen, etwas mehr Konkretes von der "hohen handwerklichen Fertigkeit der Schmiede und Schleifer und von den Strapazen ihrer Arbeit" zu finden. Auch wäre etwas mehr Eingehen auf die Unterschiede in der Technik der Herstellung von "blauen" und "weißen" Sensen gewesen, zumal Johannsen in seiner "Geschichte des Eisens" diese unterschiedlichen Techniken, die auch zu sehr unterschiedlicher Qualität des Produktes führen, anschaulich schildert. Gut ist es, dass in dieser Arbeit wohl erstmalig in der Technikgeschichte der in der heutigen Zeit große Ausmaße angenommen habende "Etikettenschwinkel" beschrieben wird. Märkische Sensenschmiede versahen danach aus Furcht vor der Konkurrenz aus der Steiermark, die qualitativ bessere Sensen herstellten, ihre im märkischen Sauerland hergestellten "weißen" Sensen betrügerisch mit den Markenzeichen der "blauen" steirischen Schmiede. Der Kartenanhang mit zeitgenössischen Karten des besprochenen Bereichs ergänzt die Ausführungen im Textteil und veranschaulicht diese. Ausführliche Anmerkungen, die Quellen- und Literaturangaben sowie das Orts- und Personenregister erleichtern dem Leser die eigene vertiefende Arbeit mit dem Thema des Eisen- und Stahlgewerbes und der Weiterverarbeitung in der vor- oder frühindustriellen Phase. Dem interessierten Fachmann wie auch dem Laien in der Arbeit mit der Regional- und Sozialgeschichte sei das Buch zur näheren Information und als Hilfsmittel für seine eigene Arbeit empfohlen. Auch mancher Familienforscher wird hier interessante Aspekte zur eigenen Familiengeschichte finden können.
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